Heute hatte ich ein einzigartiges Erlebnis, als mir eine Freundin von ihrem Unwillen berichtete, Spiele zu spielen. Der genaue Wortlaut ist nicht von Bedeutung, ebenso wie der Kontext, indem wir darauf zu sprechen kamen, aber einige ihrer Statements weckten mein Interesse und sind mit in Erinnerung geblieben, nicht unbedingt weil ich die Meinungen nicht teile, sondern weil ich dergleichen noch nie von jemandem gehֳ¶rt hatte und es mir nie in den Sinn gekommen wֳ₪re, dass jemand so auf das Konzept Spiel im Allgemeinen reagieren kֳ¶nnte.
Folgendes waren diese Aussagen:
Das ein Spiel Regeln habe, die man beherrschen mֳ¼sse, hֳ₪tte etwas Einzwֳ₪ngendes.
Man sei stֳ₪ndig dem Druck auf das Gewinnen ausgesetzt, welches aber auch keine Befriedigung liefern wֳ¼rde.
Das Wort Spiele-Abend alleine sei schon etwas Abschreckendes, vor dem man einen groֳen Bogen machen wֳ¼rde.
Wֳ₪hrend dem Spielen hinge man dauernd dem Gedanken nach, was man mit dieser vergeudeten Zeit nicht statt dessen alles machen kֳ¶nne - z.B. Ausgehen.
Am Stֳ₪rksten - nֳ₪mlich am Belustigsten - habe ich wohl auf die letzte Vorstellung reagiert, regte sich doch fast sofort in mir ein Gefֳ¼hl des Wiedererkennens und der Zustimmmung - allerdings in die vֳ¶llig entgegengesetzte Richtung gehend.
Ich bin kein Freund grֳ¶ֳerer Veranstaltungen und kann an schlechten Tagen richtiggehend missmutig und bֳ¶sartig werden, wenn ich gezwungen bin auf Familienfeiern, Geburtstagsparties, Schulbֳ₪llen, etc. zu erscheinen. Naja, die eben angesprochene Aggression ist eher eine Ausnahmeerscheinung, meistens bin ich schlichtweg gelangweilt bis leicht melancholisch. Und eben dann steigt in mir der so bekannte Gedanke auf: "Was fֳ¼r eine Zeitverschwendung. Ich wֳ¼rde viel lieber ein Buch lesen oder das nֳ₪chste Rollenspiel vorbereiten oder mit Carina Baldur's Gate spielen, usw..." Und das wird wohl genau der Grund sein, warum ich hier vor dem Computer sitze und mich rar mache, anstatt beim groֳen Soziologen-Happening vor den Osterferien herum zu knotzen.
Ich spiele gerne und ich erklֳ₪re Spiele auch gerne anderen, die sich mit ihnen noch nicht auskennen (ein geheimes Vergnֳ¼gen von mir, welches meine Schֳ¼tzlinge nicht kennen sollten, wenn ich mit schwerem Seufzen und gerunzelter Stirn dazu aufrapple). Manches Spiele ich lieber als anderes. Ich bin ausgesprochen wֳ₪hlerisch, was Brettspiele angeht, diese mֳ¼ssen schon ausgesprochen originell und toll prֳ₪sentiert sein um meine Aufmerksamkeit zu erregen. Poker ist eine neue Leidenschaft von mir geworden, auch wenn ich viel zu selten genug menschliche Gegner beisammen habe und auf den Computer zurֳ¼ckgreifen muss. Trading-Card-Games haben mich nie reizen kֳ¶nnen, obwohl ich in das Magic-The-Gathering-Zeitalter ja fast hineingeboren wurde. Antike Spiele wie Schach faszinieren mich wie Alchemie: Ich erkenne eine Art Schֳ¶nheit darin, aber ihre Geheimnisse erscheinen zu arkan und undurchdringlich, als dass ich mich zu sehr auf sie einlassen wֳ¼rde. Am meisten Geld gebe ich sicher fֳ¼r Pen&Paper Rollenspiele aus. Computer-Spiele sind meine Heimstatt. Wenn ich heute Kinder auf ihren NextGen-Konsolen spielen sehe, fֳ¼hle ich mich furchtbar alt und schwelge nostalgisch in Erinnerungen an den Sega Mega-Drive. Der PC ist mein treuester Begleiter. Angefangen habe ich mit Lucasarts-Adventures aber seitdem habe ich in so mancher langer Nacht glaube ich alles schon einmal ausprobiert. Von Interactive Fiction bis zur Hentai Dating-Sim. Und natֳ¼rlich die ganzen bekannten Genres dazwischen.
Ich liebe das Gefֳ¼hl, mich mit einem guten Spiel auseinander zu setzen, bis ich es beherrsche. Wenn ein Spiel es schafft, eine bestimmte Atmosphֳ₪re zu erzeugen, dann kann diese so dicht wie der beste Film oder das spannendste Buch sein. Und der Moment, an dem ich zum ersten Mal bemerkte, dass man ein Spiel nicht gewinnen muss um Spaֳ am spielen an sich zu haben, war denke ich ein sehr wichtiger. (Auֳerdem lֳ₪sst sich die Erkenntnis wie so vieles auch auf andere Lebensbereiche umlegen)
Kֳ¶nnen Spiele Kunst sein? Sicher, ja. Mein Kunstbegbriff ist natֳ¼rlich absichtlich ein sehr weiter, der rein von der Rezeption des Betrachters bzw. Benutzers abhֳ₪ngt.
Ich denke, im Kern ist auch ein Spiel nur eine Ausdrucksform und/oder (je nach Spiel) ein Medium. Seine besondere Eigenschaft liegt nur darin, dass der Spieler eine Mֳ¶glichkeit hat, direkt in das Produkt einzugreifen. Ja er muss es sogar tun, um das Spiel zum Spiel zu machen. Manchmal ist diese Interaktivitֳ₪t eingeschrֳ₪nkter, zum Beispiel beim klassischen Brettspiel, manchmal scheint sie unendlich weit offen zu sein, wie bei den Rollenspielen. Was diese Fֳ₪higkeit zum Eingreifen theoretisch machen kann, wie es zum Beispiel das Erzֳ₪hlen einer Geschichte oder das Vermitteln von Wissen verֳ₪ndert, ist von der Masse der Menschen noch gar nicht begriffen worden.
Zumindest wieviel Geld man damit scheffeln kann, scheint ins ֳ¶ffentliche Bewusstsein gedrungen zu sein. Sicher eine Mֳ¶glichkeit, Aufmerksamkeit zu erregen, aber von welcher Art?
Ach, ich ramble mir da die halbe Nacht um die Ohren!
Wie auch immer - ich bin froh darֳ¼ber, von meiner Freundin auf dieses Thema gestoֳen worden zu sein. Wollte sowieso was ֳ¼ber ein paar Spiele schreiben, die in letzter Zeit bei mir herumkugeln. Vielleicht rapple ich mich ja auch dazu auf.
Tuesday, September 25, 2007
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